Zwischen solidarischem Universalismus und rassistischer Ausgrenzung. Zur betrieblichen Sozialintegration von Geflüchteten

Mit Werner Schmidt, in: PROKLA 49(195) (Umkämpfte Arbeit – reloaded), S. 259-276. 

Der Beitrag zeichnet ein differenziertes Bild der betrieblichen Integration von Geflüchteten. Gezeigt wird, dass die Arbeitswelt nicht nur ein „Nährboden des Rechtspopulismus“ ist, sondern dass die alltägliche Zusammenarbeit von Geflüchteten und „etablierten Beschäftigten“ auch zur Entwicklung von Kollegialität beiträgt. Gute Chancen auf eine gelingende betriebliche Sozialintegration bestehen dort, wo Tarifverträge und Betriebsräte dafür sorgen, dass alle Beschäftigen gleiche Rechte haben – allerdings ist dies nicht immer der Fall. Solidarisches Handeln ist deshalb unverzichtbar.

Neuer Blogbeitrag: „Das passt schon so“

Fehlende Sprachkenntnisse, prekäre Aufenthaltstitel und Angst vor Arbeitsplatzverlust erschweren es Geflüchteten, gegen Arbeitsrechtsverletzungen vorzugehen.

Rechtswidrige Praktiken, berichtet uns ein Mitarbeiter des DGB in Niedersachsen, gehören in vielen Betrieben zum Alltag: „Als der Zoll hier eine große Überprüfung im Gastronomie- und Nahrungsmittelgewerbe gemacht hat, sind sie überall fündig geworden, in jedem Betrieb. Strafrechtlich relevant waren dann nur sechzig Prozent, den Rest haben sie im Ermessen als Bagatelle eingestuft. Aber in jedem Betrieb haben sie was gefunden. Es gibt also keine weißen oder schwarzen Schafe. Das ist systemisch angelegt. Das ist das Problem.“ Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration/das-ist-steuer-weil-du-fluechtling-bist

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Neuer Blogbeitrag: Keine Konkurrenz durch Flüchtlinge

Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Die viel diskutierte (vermeintliche) Konkurrenz durch Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt gibt es in der Regel gar nicht.

Sorgen um Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt durch den Zuzug von Flüchtlingen spielten in den vergangenen Jahren in politischen Debatten immer wieder eine wichtige Rolle. Exemplarisch wurde dies an internen Richtungsstreits der Linkspartei deutlich. Spricht man mit denjenigen, die beruflich oder ehrenamtlich mit der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zu tun haben – sei es mit Arbeitgeberverbänden, Beratungsstellen, Mitarbeitern von Jobcenter und Arbeitsagentur, Willkommensinitiativen oder Gewerkschaften – bekommt man auf die Frage nach Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt hingegen eine andere Antwort: Die behauptete Konkurrenz gebe es nicht, so der Tenor in den von uns im Rahmen des Forschungsprojekts „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“ geführten Interviews.“ Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration/keine-konkurrenz-durch-fluechtlinge

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Alltägliche Grenzziehungen. Das Konzept der „imperialen Lebensweise“, Externalisierung und exklusive Solidarität

Carina Book, Nikolai Huke, Sebastian Klauke, Olaf Tietje (Hrsg.) (2019): Alltägliche Grenzziehungen. Das Konzept der „imperialen Lebensweise“, Externalisierung und exklusive Solidarität. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Gegenwärtig können im ‚globalen Norden‘ Trends beobachtet werden, die strukturell rassistische, teils nationalistische Abschottungen unter anderem der Europäischen Union verstärken. Liberale Demokratien werden autoritär restrukturiert, während Solidarität erodiert. Mit der eigenen imperialen Lebensweise verbundene gesellschaftliche und ökologische Probleme werden externalisiert, Grenzzäune und Abschottungstechnologien sichern den Fortbestand globaler sozialer Ungleichheit. Der Sammelband beleuchtet diese verschiedenen, auch widersprüchlichen Entwicklungen und fragt nach möglichen emanzipatorischen Alternativen.

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden.

Die Facebook-Seite von Boris Palmer als Katalysator von Moralpaniken

„Die neue Angst vorm schwarzen Mann“. Moralpaniken als Reaktion auf Geflüchtete im Regierungsbezirk Tübingen, in: sub/urban 7 (1/2) – Stadt von rechts?

Moralpanik bezeichnet eine Dynamik, im Zuge derer eine Gruppe als homogen, ‚fremd‘, ‚deviant‘ und Gefahr für die moralische Ordnung der Gesellschaft konstruiert wird. Der Artikel arbeitet am Beispiel von politischen Deutungskämpfen um Kriminalität und die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) Sigmaringen sowie um Vergewaltigungen in Tübingen typische Elemente der Moralpaniken im Bereich Flucht und Migration heraus: lange Äquivalenzketten, ein Generalverdacht gegenüber bestimmten Gruppen, raunende Sprache, die retrospektive Konstruktion einer vom Verfall bedrohten Idylle, der Rekurs auf einen vermeintlichen gesunden Menschenverstand, dem eine naive politische Korrektheit gegenübergestellt wird sowie die Behauptung eines permissiven und hilflosen Agierens der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Soziale Medien wie Facebook, so wird gezeigt, tragen insbesondere durch (teils strategische) Interventionen rassistisch auftretender Accounts zu einer raschen Ausweitung von Moralpaniken bei. Debatten um Geflüchtete im Regierungsbezirk Tübingen sind auf der Facebook-Seite Boris Palmers durch stereotype und rassifizierende Fremdgruppenkonstruktionen geprägt. (Volltext als *.pdf)

Vom beschränkenden Dissens zur desintegrierenden Polarisierung. Legitimitätsprobleme der Europäischen Union in der Eurokrise

Artikel mit Angela Wigger, in: Hans-Jürgen Bieling und Simon Guntrum (Hrsg.) (2019): Neue Segel, alter Kurs? Die Eurokrise und ihre Folgen für das europäische Wirtschaftsregieren

Der Artikel untersucht gegenwärtige Legitimitätsprobleme der EU und verortet sie in akademischen Debatten über die Legitimität des europäischen Integrationsprozesses (z. B. eines „permissiven Konsensus“ bzw. „beschränkenden Dissens“). Seit der Krise im Jahr 2008, so die These, kam es zu einem Teufelskreis der desintegrierenden Polarisierung. Die durch die EU forcierten austeritätspolitischen Krisenmaßnahmen verschlechterten die alltäglichen Lebensbedingungen vieler Bevölkerungsschichten, die durch die ökonomische Krise ohnehin schon von Verarmung, gesellschaftlicher Polarisierung und Prekarität gekennzeichnet waren. In der Folge sank die Zustimmung zur EU vor allem in den am stärksten von der Krise betroffenen Staaten. Proteste sozialer Bewegungen sowie nationalistische Einstellungsmuster, die von völkisch-konservativen bis neonazistischen Parteien erfolgreich mobilisiert und (re-)aktiviert wurden, sind ein Ausdruck dieses Legitimitätsverlustes. Innerhalb der europäischen Apparate konnten sich keine Alternativen zur neoliberalen Krisenlösung durchsetzen. Die EU reagierte auf die sich verschärfende Legitimitätskrise mit einer weiteren Abschottung der Institutionen von den Bevölkerungen, um trotz des Vertrauensverlustes politisch handlungsfähig zu bleiben. Durch die Verhärtung der institutionellen Apparate der EU verstärkte sich wiederum das gesellschaftliche Unbehagen in der EU. (Volltext: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-25037-9_8)

Neuer Blogbeitrag: Eine Beziehung fürs Leben

Ehrenamtliche sind wichtig, um Geflüchtete auf dem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Ihre fehlende Professionalität birgt jedoch auch Gefahren.

Für Geflüchtete ist die Arbeitsmarktintegration häufig erschwert: Einerseits fehlen soziale Netzwerke, andererseits kommen die meisten Geflüchteten, wie es der Mitarbeiter einer sächsischen Beratungsstelle formuliert, „ohne Systemwissen an. Ist ja irgendwie logisch. Warum sollst du dich mit der ganzen Sache beschäftigen, wenn du aus dem Ausland kommst?“ Die fehlenden sozialen Netzwerke zeigen sich zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, erklärt ein hessischer Sozialarbeiter, „weil man ja diese ganze Sozialstruktur, die man eigentlich vorher hatte, dieses: Großeltern, passt mal auf, Nachbarn, passt mal auf. Das ist ja alles weg.“ Ehrenamtliche übernehmen vor diesem Hintergrund nicht nur eine Orientierungsfunktion, sondern fungieren teilweise auch als Ersatzfamilie. Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration/eine-beziehung-fuers-leben

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Neuer Blogbeitrag: Lernen und arbeiten trotz Traumata

Psychische Belastungen erschweren vielen Flüchtlingen den Weg in den Arbeitsmarkt

Viele Geflüchtete sind in besonderem Maße psychischen Belastungen ausgesetzt. Ihre Erfahrungen mit Krieg, Armut, Verfolgung und Gewalt im Herkunftsland und bei der Flucht wirken nach. Prekäre alltägliche Lebensbedingungen in Deutschland belasten sie zusätzlich. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt wird dadurch erschwert. Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration/lernen-und-arbeiten-trotz-traumata

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Neuer Blogbeitrag: Betriebe als Integrationsmotoren

Viele Betriebe zeigen ein hohes Engagement bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen. Migration und kulturelle Diversität gelten als betrieblicher Normalzustand

Migration und kulturelle Diversität sind in den meisten Betrieben in Deutschland längst normal. „Sie werden im Handwerk keinen Betrieb finden, der nicht eine Belegschaft besitzt, die Migrationshintergrund hat. Von daher, wir haben Erfahrung damit, Menschen aus anderen Kulturen zu integrieren und bei uns ist es einfach so, die Menschen sind bei uns nicht geduldet, sondern sind ein Teil des Teams“, stellt ein Mitarbeiter einer niedersächsischen Handwerkskammer im Interview fest. Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration/betriebe-als-integrationsmotoren

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