Kollektiv gegen die alltägliche Krise. Die Neuerfindung linker Politik in den spanischen Protestbewegungen

In: graswurzelrevolution 416, Februar 2017

Im Zuge der ökonomischen Krise und der Spar-, Kürzungs- und Restrukturierungspolitik, mit der die spanischen Regierungen auf diese reagierten, haben sich die alltäglichen Lebensbedingungen der spanischen Bevölkerung in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Für viele Spanierinnen und Spanier ging die Krise mit Arbeitslosigkeit, Prekarisierung, sozialem Abstieg, ökonomischer Vulnerabilität und Verarmung einher, während die soziale Ungleichheit deutlich anstieg. Die Folgen waren hunderttausende Zwangsräumungen, während Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen zunahmen. In der Folge kam es zu massiven sozialen Protesten – von den Platzbesetzungen der Bewegung 15-M über die Kämpfe um Wohnraum bis hin zu Protesten gegen Kürzungen, Privatisierungen und neoliberale Reformen im Bildungs- und Gesundheitsbereich.

Über kollektive Organisierung gegen alltägliche soziale Probleme gelang es in den Bewegungen, mit der permissiven und passiven Stimmung innerhalb der Bevölkerung, die die ersten Jahre der Krise kennzeichnete, zu brechen. Zentral hierfür war eine Neuerfindung linker Politik. Über offene und partizipative Strukturen, einen solidarischen und anerkennenden Umgang miteinander und eine konsequente Politik der ersten Person – das heißt, eine Politik, die primär auf subjektiver Betroffenheit statt auf scheinbar objektiven ‚Notwendigkeiten‘, ‚Sachzwängen‘ oder gesellschaftstheoretischen Prämissen basierte – gelang es, die Distanz linker Politik von alltäglichen Erfahrungen breiter Teile der Bevölkerung zu überwinden und die Sinnhaftigkeit kollektiven politischen Handelns erfahrbar zu machen. (Weiterlesen: http://www.graswurzel.net/416/spanien.php)

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