Politik der ersten Person. Chancen und Risiken am Beispiel der Bewegung 15-M in Spanien

In: Sozial.Geschichte Online, Heft 21/2017, Download als *.pdf

In der neuen Ausgabe von Sozial.Geschichte Online diskutiere ich am Beispiel von 15-M in Spanien Chancen und Risiken einer Politik der ersten Person, die sich nicht aus scheinbar objektiven ‚Notwendigkeiten‘, ‚Sachzwängen‘ oder gesellschaftstheoretischen Prämissen begründet, sondern von den individuellen und kollektiven Erfahrungen und Bedürfnissen der AktivistInnen ausgeht. In Spanien ermöglichte es diese Form der Politik, eine an (z.B. linksradikalen) subkulturellen Codes ausgerichtete identitäre politische Kultur zu überwinden, „die für die Beteiligung an sozialen Bewegungen ein politisches Bewusstsein und Abstraktionsvermögen voraussetzt, das sich erst durch Erfahrung in Organisierung und politischem Handeln herausbilden kann.“

Politik der ersten Person geht mit einem Prozess einher, in dem „[i]ntime Bereiche des Lebens und der Lebensalltag […] als politisch erkannt und (halb-) öffentlich gemacht [werden].“ Sie ermöglicht es damit potentiell über Prozesse des „sich Findens und Verstehen[s]“, Formen der Passivität und Apathie in vereinzelten und demobilisierten Gesellschaften zu überwinden, Erfahrungsblockaden aufzulösen und alltägliche soziale Konflikte sichtbar zu machen. Sie macht damit nicht-vertretene Bedürfnisse artikulierbar sowie Ausschlussmechanismen und Verhärtungen repräsentativer Demokratie sichtbar. Durch die prinzipielle Unabschließbarkeit dieser Bedürfnisse verweist sie auf den Prozesscharakter von Demokratie und darauf, dass sich das Politische stets im Bruch mit Dynamiken der Identifizierung, staatlicher Verwaltung und Konsens vollzieht.

Einen guten Einblick, wie Politik der ersten Person praktisch funktionieren kann, geben u.a. die Dokumentarfilme „Sieben Tage bei der PAH Barcelona“ und 15M: „Excellent. A wake-up call. Important

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>