Vortrag in Tübingen: „Die neue Angst vorm schwarzen Mann“. Moralpaniken als Reaktion auf Flüchtlinge im Regierungsbezirk Tübingen

11.04.2019, 16:00-18:00 Uhr

„Moralpanik“ bezeichnet eine Dynamik, im Zuge derer eine Gruppe als ‚fremd‘, ‚deviant‘ und Gefahr für die moralische Ordnung der Gesellschaft gekennzeichnet wird. Entsprechende Entwicklungen sind in Deutschland vor dem Hintergrund gesellschaftlich weit verbreiteter flüchtlingsfeindlicher Einstellungmuster ein – zumindest in Teilöffentlichkeiten – prägendes Element von Debatten über Flucht und Migration. Trotzdem liegen bisher für Deutschland nur vereinzelt Studien vor, die ihre Funktionsweise untersuchen. Der Beitrag arbeitet am Beispiel von politischen Deutungskämpfen um Kriminalität und die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) Sigmaringen sowie um Vergewaltigungen in Tübingen typische Elemente von Moralpaniken im Bereich Flucht und Migration heraus: lange Äquivalenzketten, ein Generalverdacht gegenüber bestimmten Gruppen, raunende Sprache, die retrospektive Konstruktion einer vom Verfall bedrohten Idylle, der Rekurs auf einen vermeintlichen gesunden Menschenverstand, dem eine naive politische Korrektheit gegenübergestellt wird, sowie die Behauptung eines permissiven und hilflosen Agierens der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Soziale Medien wie Facebook, so wird gezeigt, tragen insbesondere durch (teils strategische) Interventionen offen rassistisch auftretender Accounts zu einer raschen Ausweitung von Moralpaniken bei.

Im Rahmen der Tagung Stadt – Migration – Moral. Ethnographische Zugriffe auf lokale Rechtfertigungsordnungen

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